Bericht von unterwegs: Neufchateau – Bologne

Die Bahnverbindung zwischen Neufchateau und Bologne ist 46,7 Kilometer lang. Eröffnet wurde die Strecke 1867. Sie war Teil der 95km langen Strecke Bologne à Pagny-sur-Meuse. Die Konzession zum Bau wurde 1863 an die Firma Compagnie des chemins de fer de l’Est (kurz Est) vergeben. Zum 30. September 1878 erfolgte ein zweigleisiger Betrieb. Die Est bestrieb die Strecke bis zu ihrer verstaatlichung am 1. Januar 1938. Ab diesem Datum gehört die Linie der SNCF.

Ein Ausschnitt aus der Netzkarte vom März 2019

In der Zeit der deutschen Besatzung musste die SNCF ab 1944 mit dem Abbau des 2. Streckengleises beginnn und das Material an die Besatzer aushändigen. Die Luftbilder aus den 50er Jahren zeigen, dass zumindest einige Teile entweder wieder aufgebaut wurden, oder der Abbau nicht die ganze Strecke betraf. Der Personenverkehr auf der Linie wurde dann 1970 eingestellt, der Güterverkehr wurde fortgeführt. Abgesehen von ein paar kleineren Brücken gibt es keine herausragenden Bauwerke entlang der Strecke. Nennenswert wäre vielleicht das Viaduc d’Andelot. Einzig bei Rimaucourt folgen ein paar weitere Straßenbrücken. Ebenso auf den letzten Streckenkilometern vor Bologne. Hier überquert die Bahnlinie den Canal entre Champagne et Bourgogne und die Marne. Ein ca. 13km Streckenabschnitt kann seit einigen Jahren mit Fahrraddraisinen befahren werden. Dieser Teil der Linie reicht von Andelot bis kurz vor Bologne. Auf dem übrigen Abschnitten ist seit einigen Jahren kein Zug mehr gefahren. Seit einiger Zeit hat die SNCF auch unweit von Neufchateau einen Prellbock aufs Gleis gestellt. Wann genau der letzte Güterzug auf der Linie gefahren ist, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Obwohl schon 1867 eröffnet, konnte ich keine Schienen aus diesem Jahrzehnt ausmachen. Die älteste Schiene ist datiert auf 1879. Im folgenden eine Kleine Übersicht:

Bei meiner Streckenwanderung habe ich zwei Gleisanschlüße entdeckt, die wohlmöglich noch bis zum Schluß bedient wurden. Sie befinden sich in Manois und Rimeaucourt. Die Bäume die heute im Gleis stehen wachsen dort seit mindestens 5 Jahren ungestört. Schon auf der 2016 veröffentlichten Netzkarte war die Linie als „neutralisiert“ (ungenutzt) eingezeichnet. Noch ist die Linie nicht offiziell stillgelegt, ist jedoch weit davon entfernt sich in einem befahrbaren Zustand zu befinden. An den Bahnübergängen fehlen nun oft die Schienen. Auch die Schranken wurden bereits demontiert. Leider war ich so für meine Streckenwanderung etwa 2 Jahre zu spät. An manchen Ecken war mir die Vegetation zu dicht und ich musste auf andere Wege ausweichen.

  • In schwarz die Linie Neufchateau – Bologne
  • In grün die in Rimeaucourt abzweigende Strecke nach Gudmont (1878 – 1953)
  • In lila die beiden Gleisanschlüße
  • In blau der militärische Anschluß bei Rimeaucourt

Wie auch auf anderen Strecken in der Region dürfte der zweigleisige Ausbau aus militärstrategischen Erwägungen her erfolgt sein. Im ersten Weltkrieg war die Linie von erheblicher strategischer Bedeutung und wurde für die Nachschublogistik der Front bis an Ihr Limit befahren. Duch ihre günstige Lage wurde durch die Amerikaner ein riesiges Nachschubdepot zwischen den Orten Liffol-dle-Grand und Liffol-le-Petit angelegt. Über ein Gleisdreieck bestand Anschluß an die Linie Bologne – Neufchateau. Nach dem 1. Weltkrieg wurde diese Nachschubbasis wieder zurückgebaut und ist heute an Ort und Stelle nicht mehr zu erahnen. Nur alte Luftbilder machen das Ausmaß der Anlage deutlich. Eine weitere militärische Anschlußbahn befand sich am Bahnhof Rimaucourt. Über das Ausmaß dieser Anlage ist noch nicht sehr viel bekannt. Selbst die von mir sehr geschätzten Seiten von Jean (http://archeoferroviaire.free.fr/v31/spip.php) und das Archiv Inventaires Ferroviaires de France (http://www.inventaires-ferroviaires.fr) von Philippe haben diese Anlage noch nicht in Ihren Datensätzen. Somit ist mir hier eine kleine Entdeckung gelungen.

Für die Streckenwanderung von Neufchateau nach Bologne hatte ich 3 Tage eingeplant. Letztlich kam ich schon nach zwei Tagen in Bologne an. Am ersten Tag klarte das Wetter nur für wenige Stunden auf, danach bliebt der Tag wolkenverhangen. Den zweiten Tag über gab es Nieselregen bis in die Abendstunden. Entnervt packte ich darauf hin am Nachmittag meine Kamera ein und verzichtete auf weitere Fotos. Meine Streckenwanderung ist damit unvollständig. Um die Bahnlinie vollständig zu dokumentieren wäre eine erneute Streckenwanderugn erforderlich. Aufgrund der bereits stark fortgeschrittenen Vegetation ist dies aber eher unwahrscheinlich.

Den weiter oben erwähnten Militärbahnhof habe ich nicht besucht (es wäre ja eh kaum noch was davon zu sehen), da ich von seiner Existenz nichts wußte. Auch das zweite Militärgleis bei Rimeaucourt ist mir so entgangen. In beiden fällen erfuhr ich erst in der Nachrecherche von diesen Streckenteilen. Durch das miese Wetter und den kalten Wind hatte ich an diesen zwei Tagen leider nicht die optimalsten Voraussetzungen für eine schöne Fotoserie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s