Bericht von unterwegs: Parthenay – Saint-Varent (2022 -2. Teil)

Es folgen die Fotos vom 2. Teil der Strecke. Die Einleitung mit der geschichtlichen Entwicklung der Bahnlinie finden sich im 1. Teil.

Viaduc de Saint-Loup
Der Bahnhof von Airvault ist gleichtechnisch der größte Bahnhof entlang der besuchten Strecke. Für das lokale Cementwerk und den Anschluß an eine Getreidesilo waren mehrere Gleise notwenig.

Der Bau zum Bahnhof von Airvault wurde im Jahr 1882 in Auftrag gegeben und am 16. Oktober 1882 in Betrieb genommen. Als Kreuzungsbahnhof ist er seit 1884 auch der Ursprung der Linie von Airvault-Gare nach Moncontour (seit 1954 ohne Verkehr und stillgelegt). Da der Bahnhof wegen seiner erwarteten Größe auf einem Plateau errichtet wurde, befindet er sich 2 Kilometer außerhalb des Ortes von Airvault. Nach mehreren Anfragen wurde schließlich dem Bau einer kleinen Haltestelle direkt an einem Bahnübergang beim Ortskern zugestimmt. Dieser zusätzliche Haltepunkt wurde dann Aivault-Ville genannt. Ab dem Jahr 1939 lenkte die neue Staatsbahn SNCF den Fernverkehr Paris – Bordeaux über die Alternativstrecke der PO-Gesellschaft. Am Bahnhof von Airvault hielten seitdem nur noch regionale Züge.

Ein Ausfahrsignal im Bahnhof Airvault.
Nördlich vom Bahnhof Airvault überquert die Bahnlinie auf einer Brücke die Ortsumgehungsstraße. Die Brücke entstand als Neubau, da die alte Unterführung, nur knapp 100m weiter, für die neue Straße viel zu klein war.
Bahnübergang Nummer 290 in Airvault.
Beim Rückbau des zweiten Streckengleises wurde nach heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen abwechselnd mal das linke oder rechte Gleis abgebaut. Dort wo das Gleis schließlich entfernt wurde, entstand für die Bahnmitarbeiter ein praktischer Wartungsweg. Immer dort wo das verbliebene Gleis von einer Seite auf die andere rüberschwenkt, wurde ein kleiner Überweg eingerichtet.
Auf dem 60m langen Viaduc d’Airvault. Von der Seite sieht man die massiven Brückenbalken. Die Schienen sind garnichtmal so alt.
Hinter dem Viaduc d’Airvault wechselt das Streckengleis wieder von der rechten Seite hinüber zur linken Seite. Der Fußweg neben der Strecke wechselt also auch wieder die Seite.
Durchlässe an der Strecke wurden teilweise aufwändig abgesichert, sind auch immer recht aktuell freigeschnitten und werden regelmäßig kontrolliert. Aufgestautes Wasser könnte hier bei einer Verstopfung den Bahndamm beschädigen.

Ein Stück Schiene steckt im Boden und läßt mit etwas Laub und Schottersteinen auch wieder das Walzzeichen sichtbar werden. Wir sehen den Namen „St JACQ„. Die Schiene stammt aus dem Jahr 1883.
Bei Bahnübergang 288 treffe ich überraschend auf einen kleinen Bahnsteig. Offensichtlich hat sich hier früher ein Haltepunkt befunden. Am Bahnsteig selbst und auch am Schrankenwärterhaus war allerdings kein Stationsschild mehr zu finden. Nachträgliche Recherche im Internet brachte den Stationsnamen dann doch noch zu Tage: „Grand Moiré
Streckenkilometer 342. Die Tafeln waren überwiegend recht klein und entsprechend schnell zugewachsen. Im Hochsommer wird man sie nur noch schwer sehen können.
Ausblick in die Ferne.
Die Brücke der neuen D938 Ausbaustraße kommt in Sichtweite. Und plötzlich ist das Gleis wieder stark vom Rasen durchzogen.
Ein erstes Lichtsignal kündet den Bahnhof von Saint-Varent an.
Offensichtlich stehen die Stromleitungen noch unter Strom und die Gleiskontakte der Bahnübergänge sind weiterhin aktiv. Um eine versehentliche Aktivierung der Schranken auszuschließen, wurden die Kontakte durch zwei halbe Blechtonnen abgedeckt.
Und dann sehen wir die erste signaltechnische Unterbrechungsstelle. Zu einer Haltscheibe mit einem roten Baustellenlicht(?) wurde zusätzlich noch eine Knallkapsel auf den Schienenkopf geklemmt. Die quadratische Scheibe befiehlt den Halt und darf unter keinen Umständen überfahren werden.
Wenige Meter weiter ist dann auch das Schwellenkreuz mit einer weiteren Haltescheibe im rot-weißen Schachbrettmuster. Das Gleis dahinter sieht dann auch gleich viel besser aus.
Vom Bahnhof Saint-Varent aus existiert ein rund 2,5 Kilometer langes Anschlußgleis zum Steinbruch Carriere Roy La Noubleau. Die hier beginnenden Güterzüge müssen bei Fahrtrichtung nach Bordeaux einen großen Umweg fahren. Würde die Strecken ach Parthenay (wie geplant Ende 2023) wieder geöffnet, würde dieser Umweg entfallen.
Nach Abschluß der Streckenwanderung mit Erreichen von Saint-Varent, konnte ich ein weiteres Häcken auf meiner to-do Liste setzen. Nach Übernachtung am Sportplatz in Saint-Varent und einem morgentlichen Besuch beim Supermarkt, ging es wieder zurück zur Bahnlinie. Mit dem Bus nach Thouars fahren war wegen des dünnen Fahrplanangebotes eher keine Option. Entlang der Straßen zu wandern war ebenfalls nicht sehr angenehm. So blieb mir der kleine Fußweg neben der Bahntrasse als einzig attraktive Möglichkeit. Durch den Rückbau des zweiten Streckengleises war hier stets ausreichend Platz.
Bahnübergang Nummer 271. Am Mast mit dem Nummernschild ist ein kleiner Blechkasten zu sehen. Hier werden oft Dokumente der Streckengänger hinterlegt. In einem kleinen Buch wird Protokoll über die Kontrollgänge geführt.
Aufnahme vom Viaduc de Conquenuche über den Fluß Thouaret, zwischen den Bahnhöfen Saint-Varent und
Saint-Jean-de-Thouars. Aufnahme aus den 1880er Jahren. Bildquelle im Archiv https://gallica.bnf.fr
Kurz vor dem markanten Viaduc sur le Thouet von Gustaf Eifel. Links im Bild das Streckengleis zur Fahrt in Richtung Bressuire und La Roche-sur-Yon.
Vor dem Viadukt ist an einer kleinen Baracke wieder eine der Splitterschutzzelle zu sehen. In Thouars müssen wirklich viele davon aufgestellt worden sein. Auch am Bahnhof von Thouars waren mehrere zu sehen gewesen.
Eine alte Aufnahme zeigt den Zustand des Viadukt vor der Erweiterung um ein zweites Gleis.

Mit der Wanderung unter dem Viaduc sur le Thouet hindurch und der anschließenden Ankunft in Thouars, endete dann auch meine Reise durch das Departement Deux-Sèvres. Mal sehen, was mit den vielen geschossenen Fotos passiert. Eine Auswertung zu einer vollständig bebilderten Streckenwanderung wäre durchaus möglich.

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