Bericht von Unterwegs: Kalhausen – Sarralbe (2)

Gleich zweimal besuchte ich dieselbe Strecke im Grenzgebiet bei Saarbrücken. Auf dem kurzen Streckenabschnitt zwischen Kalhausen und Sarralbe fuhren noch bis zum Jahr 2018 Personenzüge (der Endbahnhof lag damals etwas weiter in Sarre-Union). Die mangelnde Instandhaltung der Strecke und das Fehlen von Mitteln für Sanierungsarbeiten erfordern die Einführung einer Verlangsamung auf 40 km/h zwischen Sarralbe und Kalhausen. Die Reisezeit der Personenzüge verlängerte sich und erzwang eine dauerhafte Verlegung auf die Straße. Es fuhr also nun der Bus statt der Zug.

Ohne die Personenzüge blieb vorerst nur noch der Güterverkehr für ein einzelnes Chemiewerk. Doch auch diese Verkehre wurden im Jahr 2022 eingestellt. Das Chemiewerk bezieht seine Lieferungen inzwischen über eine Pipeline und war schon im Frühjahr 2023 damit beschäftigt, sämtliche Gleise auf dem Firmengelände zu demontieren.

Ein Blick auf die neue SNCF Netzkarte vom Frühjahr 2023 zeigte die Strecke Kalhausen – Sarralbe daher jetzt ohne Verkehr. Nachdem ich bereits im März 2023 hier war, folgte im Oktober 2023 ein weiterer Besuch.

Für einen detaillierten historischen Abriss zu dieser Strecke möchte ich daher auf meinen kurzen Frühjahrsbericht verweisen:

In der Zeit nach meinem ersten Besuch war ein halbes Jahr vergangen. Mittlerweile waren die ersten Bäume auf das Gleis gefallen. Auch waren erste Anzeichen auf einen baldigen und schon teilweise erfolgten Diebstahl der Kupferkabel zu sehen. Der am Gleis entlangführende Kabelschacht war an mehreren Stellen aufgedeckt und die Kabel lagen offen sichtbar da. Mancherorts waren die Kabel bereits aus dem Kanal gezogen worden.

Im Frühjahr sah es noch so aus, als würde es einige Jahre dauern, bis die Natur die Bahnstrecke überwuchert. Doch schon im Herbst 2023 war der Wildwuchs an einigen Stellen bemerkenswert schnell vorangeschritten.

Die Abwanderung der Strecke in zwei verschiedenen Jahreszeiten erlaubt ein paar Gegenüberstellungen, wie hier an der Brücke über die Eichel.

Es war erstaunlich, wie sehr die Natur den Bahndamm in nur knapp 6 Monaten erobert hat. An vielen Abschnitten wachsen die Dornenranken bereits über die Schienen.

Im kleinen Ort Herbitzheim, der einzigen Unterwegshalt zwischen Kalhausen und Sarralbe, liegt auch Bahnübergang Nummer 6. Noch wurden die Schranken hier nicht abgebaut.

Besonders alte Eisenbahnschienen gab es rund um den Bahnhof von Herbitzheim zu entdecken. Hier wurden alte ausgediente Schienen für ein Geländer zweckentfremdet. Mit einer Drahtbürste, die ab sofort in meiner Ausrüstung nicht mehr fehlen wird, ließen sich die Walzzeichen noch etwas besser herausarbeiten. Die älteste Schiene hier ist auf das Jahr 1863 datiert.

Am Streckengleis auffindbare Walzzeichen bieten einen bunten Strauß an Vielfalt. Namentlich sind hier viele bekannte Firmen zu finden. Überwiegend stammt das hier verbaute Schienenmaterial aus den 20 – 30er Jahren (mit einigen kurzen Ausnahmen). Die gewöhnlichen Hersteller dieser Zeit sind z.B. SMN Caen, Longwy, Senelle, Knutange, Marmiche, Roechling, Stumm, Rehon und Friedrich-Alfred-Hütte. Durch die Nähe zur Grenze und den zeitweise deutschen Einfluss auf diese Region sind auch viele deutsche Unternehmen hier vertreten.

Am ehemaligen Bahnübergang Nummer 3 steht ein Bunker direkt neben dem Streckengleis
Wo sich im März 2023 das Wasser im Graben gesammelt hatte, war es im Oktober 2023 knochentrocken.
Auch das ehemalige Gleisdreieck am Bahnhof von Kalhausen war nun im Herbst wesentlich grüner. Der Wasserturm ist ein letztes Überbleibsel einer kleinen Abstellanlage.

Der Wasserturm am ehemaligen Betriebswerk des Bahnhof Kalhausen ist noch heute mehr oder weniger weit sichtbar. Wer hier durch den neu gewachsenen Wald stapft, findet überall auf dem Boden Mauerreste und vereinzelte Klinkersteine. Von den Gleisen, die hier früher gelegen haben, ist keine Spur mehr. Ein Überraschungsfund glückte mir erst im Oktober, als ich auf einem Feldweg am Rande des Gleisdreiecks zurück zur Brücke bei Kilometer 1,2 wanderte. Hat sich einmal jemand gefragt, wie und woher der Wasserturm eigentlich befüllt wird? Zumindest für den Wasserturm in Kalhausen fand ich jetzt die Antwort: Am Rande der Eichel befinden sich noch heute die letzten Reste eines Pumpenhauses. Von hier aus wurde Wasserturm befüllt. Auf dem beigefügten Luftbild habe ich die Stelle markiert. Zum Zeitpunkt der Luftbild-Aufnahme Anfang Juni 1938 schien das Betriebswerk schon nicht mehr genutzt worden zu sein.

Rund ein Dutzend alte Bunkeranlagen liegen mehr oder weniger gut versteckt direkt neben der Bahnlinie. Im Frühjahr war einer dieser Bunker komplett freigeschnitten worden und bereits im Herbst wieder recht unzugänglich zugewachsen.

Weitere Fotos der Bunkeranlagen. Gerade bei meiner Wanderung im März waren die Bauwerke oft recht einfach zu sehen gewesen. Im Oktober dagegen wurde es schon deutlich schwerer.

Die Wanderung auf der Strecke im Herbst 2023 war farbenfroh und das Gleisbett bereits vielfach vom Laub der Bäume gesprenkelt.

Entlang der Strecke war der Kabelkanal an mehreren Stellen aufgedeckt worden und der Blick auf die Kabel liegt frei. So sah es hier 6 Monate vorher noch nicht aus. Auch waren Kilometertafeln aus dem Schotter gezogen worden oder wurden umgekippt. Eine ausgebaute Holzschwelle lag im Herbst oben auf der Schotterkante, wo sie im März noch nicht gelegen hatte.

Im März 2023 waren die Signale noch betrieblich aktiv und die roten Lampen leuchteten, wie hier am Ausfahrsignal vom Bahnhof Kalhausen. Im Oktober 2023 dagegen war der Strom abgeschaltet (eventuell auch Folge von Kabeldiebstahl).

Ob kurz oder lang wird der Strecke von Kalhausen nach Sarralbe mittelfristig die Stilllegung drohen. Ohne Personenverkehr oder einen nennenswerten Frachtkunden in Aussicht, wird das Schicksal der Strecke wohl besiegelt sein. Die Infrastruktur ist größtenteils veraltet, die Schiene stellenweise arg abgefahren. Eine 2018 eingerichtete Beschränkung erlaubte schon damals nur eine maximale Geschwindigkeit von 40km/h.

Mit den im März und Oktober gemachten Fotos wird es vielleicht einmal in naher Zukunft eine ausführlich bebilderte Beschreibung der Strecke geben. Dies hier war nur eine kleine Vorschau.

Hinterlasse einen Kommentar