Bericht von unterwegs: Verdun – Valmy 2023 (2. Teil)

Nach einigem Abstand ist es nun an der Zeit für die 2. Hälfte der Fotos zur Streckenwanderung zwischen Verdun und Valmy.

Im Bahnhof Clermont-en-Argonne. Die Gleise laufen wieder zusammen. Das freie Feld in der rechten Bildhälfte war früher ebenfalls mit Gleisen belegt.
Gerade in Bahnhöfen sind oftmals ältere Schienen zu sehen. Diese Schiene hier mit dem Walzzeichen J-Wendel stammt aus dem Jahr 1888.
Kurz vor Bahnübergang Nummer 60 befindet sich die letzte Weiche.
Die Beschilderung am Bahnübergang.
Rund einen Kilometer hinter dem Bahnhof ist die Gleislage wieder einmal abenteuerlich. Beim Blick in die Ferne unterscheiden sich beide Schienen eindeutig in ihrer Gleislage. Der Abschnitt ist geprägt von relativ weitläufig verteilten Schotter und im Gleisbett sind eine Vielzahl verschiedenster Schwellentypen zu sehen.
Über viele Jahre hinweg wurde die Bahnlinie an dieser Stelle nur notdürftig geflickt. Dazu gehörte der Austausch einzelner Schwellen sowie das Aufbringen neuen Bahnschotters. Für eine vollständige und durchgehende Modernisierung aller notwendigen Anlagen fehlte das Geld.
Auf rund einem Kilometer Länge ist die Bahnlinie in einem äußerst desolaten Zustand.
Zur Sicherung dieses Hanges an der Seite der Bahnlinie wurde eine Spundwand aus Holzbalken und alten Schienenstücken errichtet.
Immer wieder sind an der Seite die Signaltafeln für die unbeschrankten Bahnübergänge aufgestellt. Bei diesem Foto ist außerdem in der Bildmitte zu erkennen, dass das einzelne heute noch vorhandene Streckengleis in einem leichten Gleisbogen auf die andere Seite der des Bahndamms herüber geschwenkt wird. Beim Abbau des zweiten Streckengleises entschied man sich immer wahlweise dafür das eine oder das andere Gleis abzubauen, sodass das immer mal hin und her gewechselt wird.

Bei Bahnübergang Nummer 56 passiert die Bahnstrecke wieder die Landstraße. Wann immer eine Bahnstrecke über mehrere Jahre nicht mehr befahren wird, kommt es zwangsläufig in den Folgejahren zur Demontage der Schienen, sobald die Fahrbahn der Straße erneuert wird.

Hinter dem Bahnhof von. Die Bahnlinie führt in geraden Streckenverlauf auf den einzigen Tunnel hinzu. Für die Errichtung der Bahnlinie wurde hier ein Damm aufgeschüttet, was beim Begehen der Bahnlinie kaum noch erkennbar ist.
Eine weitere Exkursion führte mich von der Bahnlinie Weg in den Wald hinein. Dort wo sich früher einmal ein ehemaliger Bahnübergang befand, versuchte ich noch Spuren des Weges im Wald nachzuvollziehen.
Das wohl größte Kunstbauwerk der Bahnstrecke ist dieser 785 Meter lange Tunnel des Islettes ou de l’Argonne. Beim Ausbau der Strecke um ein weiteres Gleis wurde eine zweite Tunnelröhre direkt daneben errichtet. Beide Tunnel sind an mehreren Durchstichstellen miteinander verbunden. Nach Rückbau eines der beiden Gleise ist die nicht mehr genutzte Tunnelröhre noch für Wartungsfahrzeuge nutzbar.
Die zweigleisige Bahnstrecke wurde auf diesem Abschnitt im Jahr 1973 auf eine eingleisige Strecke verkleinert. Seitdem wird eine der beiden Tunnelröhren nicht mehr von Zügen genutzt.
Ausblick aus einer der beiden Tunnelröhren. Nach dem Abbau der Schienen konnte der Tunnel nun von Strassenfahrzeugen und für Wartungsarbeiten oder für dienstliche Zwecke verwendet werden.
Dieser Wandertag endete am nahegelegenen Sportplatz. Wegen des angekündigten Regens verzichtete ich für diese nach auf mein Zelt und schlief unter dem Vordach des Vereinsheimes.
Am folgenden Morgen ging es zurück zur Bahnlinie. Dabei wählte ich einen Waldweg, der entlang der Bahntrasse verläuft. Auf diese Weise konnte ich verschiedene Durchlässe und auch diese kleine Unterführung entdecken. Offenbar einst nur für Wasser gedacht, wurde in den Jahren danach ein kleiner Fußgängersteg eingerichtet.
Ein wesentlich kleineres Bauwerk ist dieser Durchlass der nur für Wasser verwendet wird.
Oberhalb des Eisenbahntunnels sind im Waldboden noch heute in Zickzack verlaufende Gräben zu erkennen, die aus einem der beiden Weltkriege stammen. Auch über 60 Jahre Erosion haben diese Gräben nicht zuschütten kommen und man erkennt ihre Struktur noch sehr genau.
Das westliche Portal des 785 Meter langen Tunnels mit einer Doppelröhre.
Vom Tunnel entfernt liegt der nächste Bahnhof zirka 4 Kilometer weit. Bei meiner Wanderung in Richtung Sainte-Menehould kam endlich auch wieder die Sonne hervor.
Die letzten gut sichtbaren Überreste von Bahnübergang Nummer 49 bei Streckenkilometer 233+615.
Die Kilometertafel aus Beton für Streckenkilometer 233 liegt abgerissen auf dem Boden.
Die Bahnlinie erreicht schließlich das Stadtgebiet von Sainte-Menehould. In dieser Stadt gab es verschiedene Bahnlinien, die über mehrere Verbindungsstrecken miteinander verbunden wurden, um so einen effizienten Bahnverkehr zu ermöglichen. Die verschiedenen Verbindungstangenten wurden in den vergangenen Jahren alle entfernt. Seit 10 Jahren hat kein Zug mehr den Bahnhof erreicht.
Diese Karte zeigt die Bahnanlagen rund um den Bahnhof von Sainte-Menehould auf dem Stand des Jahres 1935. Vier Eisenbahnlinien (alle zweigleisig) führen in die Stadt. Um direkte Fahrtmöglichkeiten unter Umgehung des Bahnhofs zu ermöglichen, wurden verschiedene Verbindungsgleise (auf der Karte „Raccordement“ genannt) errichtet. Die Vorhaltung solch vieler Gleise war aus strategischen Erwägungen eingeführt worden. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vorhaltung solch umfangreicher Gleisanlagen, mitsamt Stellwerken, Brücken und Weichen nicht mehr zeitgemäß. Es folgte unweigerlich eine Reduktion der Gleisanlagen.
Rund 500 Meter vor dem Bahnhof von Sainte-Menehould befindet sich der Bahnübergang mit der Nummer 47.
Der Überweg mit der Nummer 47 war nur Fußgängern zugänglich und ermöglichte Anwohnern zu ihren kleinen Schrebergärten zu gelangen.
Das Gleisfeld wird breiter und unter der Vegetation an den Außenseiten erscheinen weitere zum Teil stillgelegte Gleise.
Bei der Einfahrt in den Bahnhof von Sainte-Menehould wird diese schöne Brücke passiert.
Aussicht von der Brücke auf die Bahnanlagen im Bahnhof von Sainte-Menehould. Der Rückbau der Gleise war beträchtlich, wenn man sieht wie großflächig der Bahnhof dereinst angelegt war.
Von der Brücke aus wähle ich einen kurzen Abstecher hin zum örtlichen Freibad, welches vor einigen Jahren außer Betrieb genommen wurde und seitdem sein Dasein als in „Lost Place“ fristet.
Die Stadt Sainte-Menehould errichtete ein neues Spaß- und Freizeitbad direkt am Bahnhof, wobei ein großer Teil der Bahnanlagen entfernt wurde. Das alte Schwimmbad verfällt nun zusehends. Die Anlage war aber auch sehr in die Jahre gekommen und lange nicht mehr zeitgemäß.
Hat der Bahnhof von Sainte-Menehould. Dort wo sich früher über 7 Gleise tummelten ist nun eine Brachfläche entstanden, die im Sommer von hohem Gras durchzogen ist. Der Bahnhof ist vollends aufgegeben worden, nicht einmal Fahrkarten werden hier mehr verkauft. Zum Schutz vor Vandalismus wurden alle Öffnungen, Türen und Fenster verbarrikadiert.
Der Bahnhof von Sainte-Menehould ist kein einladender Ort. Glasscherben sind überall am Bahnsteig zu sehen und auf den Gleisanlagen liegt viel Müll verstreut. Die Natur wuchert unter das Bahnsteigdach am Empfangsgebäude.
Auch am Bahnhofsvorplatz sieht es nicht wesentlich besser aus. Bei meinem ersten Besuch im Jahr 2021 wurde der Bahnhofsvorplatz noch zum Abstellen von Bussen verwendet, inzwischen scheint nicht einmal mir dies möglich zu sein.
Die Gleisanlagen liegen verwaist da und verfallen zusehends. Mehrere gut frequentierte Trampelpfade führen über das Gelände und verbinden die Ortsmitte mit dem neuen Freizeitbad.
Von den einst umfangreich vorhandenen Verbindungsgleisen und Gleiskurven ist jetzt nicht mehr viel zu erkennen. Mehrere Brückenbauwerke sind trotzdem erhalten geblieben und teilweise für Fußgänger zugänglich. Die komplette Erkundung aller Gleisanlagen, Verbindungskurven, Brücken und Unterführungen würde viele Stunden in Anspruch nehmen. Dort wo sich keine Trampelpfade gebildet haben, sind die Grundstücke kaum noch begehbar, da alles unter einer dichten Vegetation verschwunden ist.
Exemplarisch hier die Überreste einer Eisenbahnbrücke, auf der früher ein Gleis zu einer nahegelegenen Zuckerfabrik führte. Relikte wie dieses sind hier und dort überall noch zudecken.
Der Zustand der Bahnanlagen wird hinter dem Bahnhof von Sainte-Menehould nochmals etwas schlechter.
Immer mal wieder sind an den Seitenrändern alte Signale zu erkennen.
Diese Straßenbrücke ersetzt einen rund 300 Meter entfernt von hier gelegenen Bahnübergang. Der Bahnübergang wurde aufgelöst und das Postenhäuschen ist noch als Ruine an Ort und Stelle.
Ein altes Stück Schiene von Marmiche aus dem Jahr 1928.
Seit dem Jahr 1990 fuhren auf diesen Streckenabschnitt [Valmy – Baleycourt] nur noch Personenzüge. 2013 schließlich wurde auch der Personenverkehr eingestellt. Somit ist auf dieser Infrastruktur seit nunmehr 10 Jahren kein Zug mehr gefahren.
Ausblick von einem Signalmast auf die Bahnlinie.
Rund einen Kilometer vor dem Bahnhof von Valmy fehlen plötzlich einige der Schienen. Der Abbau der Gleise an dieser Stelle muss illegal passiert sein. Der Rückbau erfolgte ungeordnet und erstreckt sich auf eine Strecke von etwa 300 Metern.
In Valmy wurde bis Ende des Jahres 2022 ein Gleisanschluss bedient. Auch diese Bedingung wurde nun aufgegeben. Damit verlängert sich der Bereich der nicht mehr befahrenen Strecke um weitere 19 km.
Viele Bahnhöfe entlang der Strecke wurden für militärische Vorhaben ausgebaut. So wurden lange Rampen errichtet um schnell größere Mengen Militärgut von der Bahn umzuschlagen. So auch im Bahnhof von Valmy. Viele dieser Gleise haben ein beträchtliches Alter erreicht, wurden wenig veränder und kaum erneuert. Eine der vorgefundenen Schienen stammt aus dem Jahr 1919 und wurde aus den USA geliefert.
In Valmy führt ein Anschlussgleis unter dieser großen Halle hindurch. Hier konnte Witterungsgeschützt Ladegut umgeschlagen werden. Seit Ende 2022 wird diese Anlage nicht mehr genutzt.
Der Bahnhof von Valmy im Jahr 2023. Gegenüberstellung mit einer alten Postkarte.
Im Bahnhof von Valmy ist diese technische Einrichtung zu sehen. Eine Knallkapsel konnte als Flankenschutz auf eines der Gleise geschoben werden. Beim Überfahren durch einen Zug wird ein lauter Knall ausgelöst.
Hinter Valmy führt die ehemals zweigleisige Bahnstrecke für 9 Kilometer durch eine sehr dünn besiedelte Gegend.
Landwirtschaftliche Flächen liegen großflächig zu beiden Seiten der Bahnstrecke.
Ein Stück Schiene aus dem Jahr 1912.
Für die vielen kleinen Feldwege und landwirtschaftlich genutzte Wege wurden einige Bahnübergänge eingerichtet, die alle überwiegend nur durch Signaltafeln und nicht durch technische Einrichtungen wie Schranken gesichert sind.
Wo die Bahnlinie einige Senken überquert wurde künstlich Erdreich aufgeschüttet um die Bahnlinie in der Ebene zu halten. Um in den Tieflagen trotzdem dem Wasser die Möglichkeit zum Ablaufen zu geben, wurden kleinere Durchlässe angelegt.
Der Durchlass bei Streckenkilometer 217 war sogar in einem guten begehbaren Zustand. Das Mauerwerk ist in einem tadellosen Zustand.
Am vierten und letzten Wandertag auf der Strecke hatte ich wieder Glück mit dem Wetter.
Bei der Ortschaft Somme-Bionne wurde ein technisch gesicherter Bahnübergang errichtet.
Während der Ort Somme-Bionne keine Bahnhalt erhielt, wurde eine Station etwas später bei Somme-Tourbe errichtet.
Das Getreidesilo bei der Stadt Somme-Tourbe erhielt keinen Gleisanschluss obwohl es direkt neben der Bahnlinie liegt.
In der direkten Nähe zweier Privatgrundstücke wurde diese Unterführung angelegt. Fußgänger können sie nur in äußerst gebückter Haltung nutzen. Die beiden Grundstücksanrainer kümmern sich um die angrenzende Böschung und halten das Bauwerk frei von Vegetation.
Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme im Oktober 2023 hatte dieser Rucksack im laufenden Jahr bereits knapp 4.000 Kilometer mit mir zusammen absolviert.
Bei Streckenkilometer 210.
Bei Kilometer 204 befindet sich die Pfeiftafel für Bahnübergang 21. Sie wurde an einem verhältnismäßig hohen Masten aufgehängt. Der Prellbock daneben ist das Gleisende eines Ausziehgleis für einen militärischen Gleisanschluss der Ortschaft Suippes.
Ausblick auf das seit Ende 2022 nicht mehr befahrene Streckengleis. Links daneben befindet sich das äußerst lange Ausziehgleis vom Camp Suippes.
Der Bahnhof von Suippis ist noch für den Zugverkehr geöffnet. Die Bewirtschaftung der Strecke wurde von der SNCF an das Militär abgegeben, welches der einzige verbliebene Nutzer der Strecke ist, seitdem sich die SNCF von der Bedienung des Gleisanschlusses in Valmy zurückgezogen hat.
Gleisanlagen im Bahnhof von Suippes.
Der kleine Bahnhof von Suippes. In Suippes befindet sich ein Militärlager, welches sich auf eine Fläche von 13.500 Hektar erstreckt. Das Camp ist eines der größten in Frankreich es wurde nach Ende des Ersten Weltkriegs auf verwüstetem Land errichtet. Das 40. Artillerieregiment ist derzeit das einzige Regiment, das auf diesem Militärgelände stationiert ist, und das 132. Armeehundebataillon befindet sich am Rande des Militärgeländes Mourmelon-le-Grand mit seinem Haupteingang an der Straße von Suippes nach Chalons-en-Champagne.
Der Militärverkehr auf der Eisenbahn hat in Suippes in den letzten Jahren nur noch eine sehr untergeordnete Rolle gehabt. Trotzdem wollte oder konnte die SNCF die Linie nicht ganz aufgeben, man muss sie weiterhin dem Militär für Fahrten zur Verfügung stellen. Am Bahnhof von Suippes hat seit 2013 kein regulärer Personenzug mehr gehalten.
Die Laderampe oder der Güterschuppen eines Bahnhofs sind die ersten Anlaufpunkte, wenn es darum geht möglichst alte Schienenstücke aufzufinden. Beim Bau dieser Anlagen wurden oft die damals vorhanden Schienen verwendet und seitdem nicht ausgewechselt. So ließ sich hier an der Laderampe eine Schiene aus dem Jahr 1895 finden. Allerdings war der Bahnhof zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre älter, da der Streckenabschnitt Saint-Hilaire-au-Temple – Suippes – Valmy – Sainte-Menehould bereits im Jahr 1867 in Betrieb ging.
Das kleine Wetterschutzhäuschen gegenüber dem Empfangsgebäude.

Mit diesem kleinen Bilderbogen möchte ich eine Vorschau auf die später veröffentlichte wesentlich umfangreichere Bebilderung der Strecke abschließen.

Die Wanderung entlang der Strecke im Herbst 2023 war ein etwas großes Wagnis, da der Zugverkehr bereits 10 Jahre zuvor ausgesetzt wurde und die Natur somit viel Zeit hatte den Bahnkörper zurückzuerobern. An vielen Stellen musste ich ausweichen, an der Straße entlang gehen oder Feldwege nutzen, da der Bahndamm einfach bereits zu stark zugewachsen war. Nichtsdestotrotz bin ich froh, nach dem Jahr 2021 diese Strecke ein zweites Mal besucht zu haben.

In den folgenden Monaten werde ich mich intensiver darum kümmern, die gemachten Fotos zu sortieren und eine schöne Auswahl zusammenzustellen. Aufgrund der auf 4 Tage angelegten Wanderung werden hierbei viele Fotos zu berücksichtigen seien und die Streckenwanderung wird ein entsprechendes Ausmaß einnehmen. Die Arbeiten daran werden daher noch einige Wochen wenn nicht sogar Monate andauernd.

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